Es sah aus wie ein schlichter Sleeve.
Hellgrau, unauffällig, knöchelhoch. Es hätte eine ganz normale Sportsocke sein können, wenn man nicht genauer hingesehen hätte.
„Das hier?", habe ich gefragt — ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht. Innerlich hatte ich mich auf etwas Dramatischeres eingestellt.
Eine neue Therapie, einen Geheimtipp aus den USA, irgendetwas, das groß genug klang, um zweitausend Euro Fehlversuche zu rechtfertigen.
Es war nur ein Sleeve.
„Ich weiß, wie das wirkt", sagte Lena.
„Mir ging es genauso. Ich hatte vorher schon zwei andere Kompressionsprodukte und beide haben mich abgeschreckt.
Aber dieses hier ist anders aufgebaut — und vor allem anders gedacht."
Sie hat mir erklärt, was ihr ihre Physiotherapeutin damals erklärt hatte.
Dass das eigentliche Problem bei Plantarfasziitis im Alltag selten der eine große Schmerz sei, sondern hunderte kleiner Belastungen über den Tag verteilt — Belastungen, die immer auf dieselbe gereizte Stelle treffen.
Jeder Schritt auf hartem Boden.
Jedes Aufstehen nach längerem Sitzen.
Jede Stunde im Stehen.
Die Faszie, die nachts versucht zu heilen, wird morgens beim ersten Schritt sofort wieder strapaziert. Und das Spiel beginnt von vorne.
„Was die meisten Produkte versuchen", sagte sie, „ist, den Schmerz abzudämpfen, nachdem er bereits da ist.
Einlagen, Schmerzmittel, Eis. Das hier funktioniert anders. Du trägst es nicht beim Laufen — du trägst es davor und danach.
Morgens nach dem Aufstehen, damit die Faszie sich nicht sofort wieder hochreizt.
Und nach längerem Stehen oder einer Belastung, damit sie überhaupt die Chance bekommt, zu regenerieren.
Es ist im Grunde ein Recovery-Werkzeug, kein Sport-Sleeve."
Sie hat es nicht so verkauft, wie es ein Werbetext täte. Sie hat es eher so erklärt, wie eine Freundin einer anderen Freundin etwas erklärt, das ihr selbst geholfen hat.
„Probier es einfach. Ich habe ohnehin ein Reservepaar zu Hause."